„Ein Bananenbrot, bitte.“
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Schon lange muss ich schmunzeln, wenn ich bei meinen Deutschlandbesuchen ganz selbstverständlich ein Bananenbrot bestelle. Seit einigen Jahren wird es in den Cafés deutscher Großstädte in allen denkbaren Variationen angeboten – mal vegan, mal mit Walnüssen, mal mit Schokolade, mal glutenfrei.
Und jedes Mal denke ich: Verrückt. Dort, wo die Bananen wachsen, nutzt sie niemand zum backen. In meiner Region in Kenia backt niemand mit Bananen. Genauer gesagt: Kaum jemand backt überhaupt. Und wenn doch, dann nicht mit Obst. Die Verbindung von Obst und Gebäck ist hier vollkommen fremd.
Als ich vor vier Jahren auf unserem damals noch kahlen Grundstück voller Überzeugung die ersten Bananenstauden pflanzte, wurde ich von Freunden und Nachbarn belächelt.
„Bananen? Die wachsen hier nicht.“
„Habt ihr es denn schon einmal versucht?“, fragte ich.
„Bananen brauchen viel Wasser.“
Drei Kilometer von uns entfernt, auf der anderen Seite der Reisfelder, befinden sich Bananenfarmen, eine an der anderen. Gespeist werden sie von kleinen Kanälen, die Wasser aus den Reisbewässerungssystemen führen. Dasselbe Klima. Dieselbe Erde. Dieselbe Höhenlage.
Warum sollten Bananen hier nicht wachsen?
Vier Jahre später, April 2026.
John schiebt zum dritten Mal an diesem Tag eine Form Bananenbrot in seinen kleinen, mit Holzkohle befeuerten Ofen. Von der Straße ruft ein Kunde im Vorbeigehen:
„Ist es schon fertig?“
„Bado!“ („Noch nicht!“)
„Ten minutes!“, fügt John hinzu.
Der Duft von frisch gebackenen Bananen und Zimt liegt über der staubigen Dorfstraße.
Vor wenigen Tagen haben wir unser "Healthy Hub" eröffnet. In einem max. 10qm großen Raum ist das entstanden, was unsere Vision komplett macht: Ein Ort, der die Wertschöpfungskette vervollständigt. Ein Ort, an dem nachhaltig produzierte Lebensmittel nicht nur angebaut, sondern auch verarbeitet, verkauft und gemeinsam genossen werden können. Hier wird greifbar, was wir in unseren Farmer-Trainings unter "Value Addition" vermitteln: Aus einem Rohprodukt etwas zu machen, das mehr Wert schafft – wirtschaftlich, geschmacklich und gesundheitlich. Die Weiterverarbeitung eines Produktes erhöht nicht nur den Profit, sondern macht auch konkurrenzlos – keines unserer Produkte im "Healthy Hub" hat es so in dieser Region jemals gegeben.
Und damit gingen wir natürlich ein Risiko ein. Würden wir angenommen werden?

Tagelang verbrachten wir damit, unseren neugierigen Kund:innen alles zu erklären: "Der rote Kombucha besteht aus fermentiertem Hibiskus, er ist voller Vitamine und stärkt die Immunität. Der Grüne ist auf der Basis von Zitronengras und Ingwer mit Grüntee hergestellt, er hat entschlackende Wirkung. Hast du Probleme mit übersäuertem Magen? Dann empfehlen wir den Schwarzen, aus fermentiertem Schwarztee mit Ingwer." Fermentation und probiotische Ernährung war einmal fester Bestandteil dieser Kultur, ebenso wie in meiner deutschen. Die Praktiken gehen jedoch immer mehr verloren und werden durch kommerziell hergestellte "Soft Drinks" ersetzt. Unser Kombucha schlägt die Brücke zu altem Wissen und verbindet es mit Neuem. Die Menschen kaufen Kombucha inzwischen in Litern, sie schmecken und spüren den Unterschied.
Unser "Hub" erfüllt mehr als seinen Zweck. Innerhalb weniger Wochen ist es zum Treffpunkt für Marktfrauen, Farmer:innen, Geschäftsleute und zum Lieblingsort der Dorfkinder geworden. Für jedes Budget gibt es etwas Hausgemachtes, eine gesunde und leckere Alternative. Selbstgemachtes Brot statt Weißtoast, Bananenkuchen, Karottenkuchen und frisch gebrühter Kaffee statt dem allseits verbreiteten "Nestle Istant". Und wenn jemand sich heute nichts leisten kann, wird er selbstverständlich von einem anderen Gast eingeladen. Niemand geht leer aus.
"Unglaublich, ihr habt uns die Augen geöffnet." Diesen Satz hören wir oft mehrmals am Tag.
Die Gespräche gehen tief und die Visionen weit, die in diesen engen, doch niemals zu kleinen Wänden gesponnen werden. Ich kann kaum erwarten, zu sehen, welche Geschichten dieser Ort schreibt, wie viele Farmer:innen wir inspirieren und in nachhaltiger Landwirtschaft empowern dürfen und welche Produkte wir als nächstes erfinden werden.
Bananenbrot Next Level?
Der Bananenwald unserer Farm ist inzwischen dicht.
Mehr als 10 verschiedene, indigene Sorten wachsen hier, Kochbananen so wie süße. Heute trocknen wir unreife Bananen zum ersten Mal. Heute trocknen wir zum ersten Mal unreife Bananen, um daraus Mehl herzustellen. Damit das nächste Bananenbrot seinem Namen wirklich alle Ehre macht.
Und damit wir uns daran erinnern können, dass viele Dinge dann möglich werden, wenn jemand bereit ist, sie auszuprobieren.
Danke, an mein wunderbares Team vor Ort – an Coletta, die täglich 30 Liter Kombucha ansetzt und Kiloweise Hibiskus erntet. An John, der das "Healthy Hub" mit Leib und Seele lebt, betreibt und zu einem Lieblingsort für unsere Kund:innen macht. Danke an Titus, der täglich auf unserem "Mercedes", dem uralten Drahtesel das "Hub" beliefert, der wochenlang von Haus zu Haus ging, um der Dorfgemeinschaft unsere Produkte näherzubringen. Danke an die helfenden Hände unserer Freiwilligen Angus & Adriana, die innerhalb von 6 Wochen mit uns die Hub-Eröffnung möglich machten. Danke, an die Community, die uns jeden Tag ihr vertrauen schenkt und danke an euch, für's Dabeisein, Unterstützen und an uns glauben.
Herzliche Grüße aus Kenia,
Jana





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