Die Schule

Fr. Michael Witte Education Centre

Eine Schule für Arme – ein Traum der „Brothers of St. Joseph“

Es gibt eine einzige größere Straße, die sich staubig durch das kleine Dorf Kandongu zieht, gelegen zwischen Reisfeldern am Fuße des Mt. Kenya. Nur ein provisorisches Schild mit dem Verweis auf das Motto „Learn today, lead tomorrow“ verweist am Straßenrand auf die Schule, die sich unscheinbar zwischen Gebüsch und einzelnen Lehmhütten versteckt. Heute blitzt zumindest das Wellblechdach der Lehrerhäuser durch die Büsche, noch vor fünf Jahren war hier keine Schule zu erahnen. Kaum einer im Dorf wusste mit dem Namen „Father Michael Witte Education Center“ etwas anzufangen.

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Wem hätte das unscheinbare Haus mit zwei kleinen Zimmern schon auffallen sollen? Es wohnten hier zwei Brüder, entsandt von ihrer Brüderschaft „Brothers of St. Joseph“, mit der Mission, auf dieser Wiese im Nirgendwo eine Schule zu errichten. Es war der Wunsch der Dorfbewohner, endlich eine gut erreichbare und bezahlbare Grundschule zu bekommen, die „Brothers of St. Joseph“ nahmen sich dieser Aufgabe an.

Die „Brothers of St. Joseph“ sind eine katholische Brüderschaft in Kenia, bestehend aus ca. 70 Männern, die ihr Leben dem Glauben und der unentgeltlichen Arbeit in den Institutionen der Brüderschaft wie Grundschulen, Berufsschulen, Waisenheimen etc. widmen. Für einen bestimmten Zeitraum werden sie an eine dieser Stellen entsandt, um dort – je nach ihrer beruflichen Ausbildung – zu unterrichten, auf dem Feld zu arbeiten, leitende Funktionen einzunehmen etc.

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So wurden 2010 auch zwei Brüder nach Kandongu geschickt, ohne Geld, ohne Materialien, nur mit dem Auftrag, in dem kleinen Dorf eine Schule für die Armen zu erschaffen. In der Gemeinde und Kirche baten sie um Spenden für die Unterstützung ihres Vorhabens. „Harambee“ nennen die Kenianer diese Art des Zusammenlegens, bei der jeder im Dorf das Wenige gibt, das er entbehren kann, um gemeinsam das Vorhaben eines Einzelnen zu unterstützen. Schilling für Schilling wurde zusammengetragen und 2010 das erste Schuljahr mit sechs Kindern gestartet.

Klassenzimmer gab es noch keine, unterrichtet wurde im Freien. Die Brüder unterrichteten selbst, kochten mittags Getreidebrei für die Kinder und gingen abends weiter auf Spendensuche. Die Arbeit war hart, doch es lohnte sich – mit jedem Jahr wuchs das Projekt. Das Schuljahr 2011 wurde bereits mit 38 Schülern eröffnet.

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Als ich im September 2012 das erste Mal nach Kandongu kam, lebten inzwischen fünf Brüder und ein Koch an der Schule. Es gab die Klassenzimmer für die Klassen „Nursery“, „Babyclass“, „Per-Unit“, Class 1“ und „Class 2“, ein provisorisches Büro für den Direktor und vier angestellte Lehrer. Die Schülerzahl war auf 96 angestiegen!

Warum fand diese halbfertige Schule ohne ausreichenden Klassenzimmern, ohne Wassertanks für die Kinder, ohne Lehrerzimmer, ohne Lehrerwohnungen und mit jungen, oft unqualifizierten Aushilfslehrern so viel Anklang? Das „Father Michael Witte Education Center“ ist nicht die einzige Grundschule im Ort. Zwei weitere Schulen mit weitaus besserer Ausstattung befinden sich entlang der Straße. Für Kleinkinder (ab 3 Jahren) sind die Fußwege dorthin allerdings oft zu weit und Transportmittel können sich ihre Eltern nicht leisten. Hinzu kommen die hohen Schulgebühren, ohne deren Bezahlung die Kinder nicht unterrichtet werden.

Aber auch Kinder, die bereits in anderen Schulen untergebracht waren, wechselten zum „Father Michael Witte Education Center“. Die Gründe dafür kann man sich nach einiger Zeit an diesem Ort gut erklären.

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Kommt man über die staubige Straße durch das Tor der Schule, wird man durch den Klang singender Kinder begrüßt, der aus alles Klassenzimmer hallt. Draußen auf der Spielwiese spielen Lehrer, Schüler, Koch und die Arbeiter vom Feld gemeinsam Fußball, auch wenn es schon längst Zeit für alle ist, nach Hause zu gehen. Es herrscht eine ganz besondere Stimmung an dieser Schule. Wie in allen kenianischen Schulen werden die Kinder zwar mit Strenge zu Fleiß und Gehorsam erzogen, ihre kindliche Leichtigkeit und ihre Freude am Lernen wird ihnen damit aber nicht genommen. Im Mittelpunkt des Vorhabens steht das Wohlergehen des Kindes.

Die Einstellung des Direktors Brother Timothy ist nicht üblich:

„Ich bin hier wegen der Kinder. Nicht für die Eltern, nicht für mich, nicht für Geld und nicht für Anerkennung. Nur für die Kinder.“

Und das ist keine hohle Floskel, das ist eine Überzeugung, die Br. Timothy lebt und an die Lehrer weitergibt. Mit Liebe begegnen sie den Kindern, mit einem offenen Ohr für ihre Sorgen. Können die Schulgebühren einmal nicht bezahlt werden, so wird kein Kind weggeschickt, solange die Lehrergehälter gedeckt bleiben. Ein Kind ohne Schuluniform wird nicht gleich gescholten, sondern dennoch aufgenommen, ein Kind, das sich heute kein Mittagessen leisten kann, darf vom Essen der Brüder nehmen.

Der Zuwachs der Schüler in den letzten beiden Jahren ist enorm. Aktuell werden im „Father Michael Witte Education Center“ 202 Schüler unterrichtet, Tendenz stetig steigend.

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Die so schnelle Entwicklung der Schule hätte nicht stattfinden können ohne die ständige Unterstützung deutscher Freiwilliger, die ihr Herz an die Schule verloren haben und über Freunde und Verwandte regelmäßig finanzielle Beiträge zum Ausbau der Schule leisten.

Zusätzlich zu den von mir angestrebten Zielen des Baus eines Lehrerhauses und der Fertigstellung der Klassenzimmer bis zur achten Klasse wurden seit dem Jahr 2012, zum Beispiel durch den Einsatz Marie-Luise Lehmanns, wichtige Beiträge geleistet, die die Schule in großen Schritten wachsen ließen.

Bisherige Erfolge