„FamiliaMoja“

Die Hintergründe

Besuch einer Biogas-Anlage

Unsere Erfahrungen der letzten Jahre haben uns gelehrt, die wirklichen Probleme von Schulkindern beginnen in deren Familien. Somit ist „FamiliaMoja“ mehr als der Bau einer Schule. Er soll Kindern Bildung schenken und gleichzeitig über Ressourcen verfügen, die einen bildenden Beitrag im Familien- und Gemeindeleben leisten können. Ein Ort für Begegnung und Austausch, der ein Beispiel für Wachstum in Unabhängigkeit darstellt.

Die Vision:

„FamiliaMoja“ ist die Idee und Initiative zweier Lehrerfamilien in Zentralkenia, die ihrer Vision von einer unabhängigen Bildungsstätte für Kinder aus mittellosen Familien einen Namen gegeben haben – ein Name, der übersetzt aus Kiswahili „eine Familie“ bedeutet.

Das Ziel dieser beiden Paare mit ihren Kindern ist es, eine Schule für Bedürftige zu erbauen, die keine Schulgebühren von ihren SchülerInnen verlangt – wie das in Kenia ansonsten üblich und notwendig ist – und die sich dennoch langfristig selbstständig trägt.

Die meist sehr hohen Schulgebühren in Kenia können sich nur wenige Eltern leisten, dazu sind mindestens 40 Prozent dieser Eltern alleinerziehende Mütter. Ohne mindestens einer Grundbildung der „Primary School“ (Klasse 1-8) haben die Kinder dieser ländlichen Region am Fuße des Mt. Kenias (Kirinyaga County) jedoch kaum Berufschancen. Eine gänzlich gebührenfreie Schule für Kinder aus mittellosen Familien gibt es hier nicht. Da durch Schulgebühren üblicherweise vor allem LehrerInnengehälter bezahlt werden, ist die Umsetzung einer kostenlosen Schule grundsätzlich kaum denkbar.

Gelingen kann das Vorhaben „FamiliaMoja“ durch den Aufbau einer auf Nachhaltigkeit fokussierten Landwirtschaft, die nicht nur die Schule (SchülerInnen, LehrerInnen, ArbeiterInnen) ernährt, sondern auch Überschüsse zum Verkauf generiert. Ziel ist hierbei die Etablierung eines ökologischen Kreislaufsystem, das den Bildungsort mit Nahrung, Biogas und Wasser versorgt – und somit eine langfristig finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht.

Im Detail:

Ein mögliches Kreislaufsystem wäre beispielsweise: Anbau von Bananenstauden, diese wachsen schnell und tragen nur einmalig Früchte. Die Staude wird nach der Ernte den Kühen als Futter gegeben. Aus dem Kuhmist wird Biogas gewonnen, das zum Kochen verwendet werden kann –die Ressource Holz wird eingespart. Die Überreste der Biogasgewinnung dienen als biologischer Dünger für die Bananenstauden. Die erfolgreiche Umsetzung des benannten Kreislaufs konnten wir bereits an einer Farm in Tansania vorfinden.

Die meisten Menschen in Zentralkenia sind Selbstversorger durch ihre kleinen Felder am Haus („Shamba“). Zunehmend bestimmen allerdings genmanipuliertes Samengut, inklusive chemischer Spritzmittel aus den USA den Markt. Die kostspieligen und mit großen Versprechen angepriesenen Produkte erzielen jedoch – im Vergleich zu den ursprünglichen, lokalen Pflanzensorten – weitaus ärmere Erträge und müssen zum Gedeihen in den klimatischen und ökologischen Bedingungen Kenias mit Chemikalien „gestärkt“ werden. Somit schwächen sie das Ökosystem und treiben immer mehr Selbstversorgende an Existenzgrenzen.

„FamiliaMoja“ soll ein Ort sein, der das Wissen um die Vorzüge der lokalen, traditionellen Pflanzen bewahrt und dieses mit innovativem Wissen um nachhaltige Landwirtschaft erweitert. Somit kann er nicht nur ausreichende Erträge sichern, sondern auch ein beispielhafter Bildungsort für andere Selbstversorger und Landwirte der Umgebung sein. (Anbei sei auf ein aktuelles Projektbeispiel von Brot für die Welt verwiesen, das die Wichtigkeit der Rückbesinnung auf traditionelle Nahrungspflanzen unterstreicht: https://www.brot-fuer-die-welt.de/projekte/kenia-landwirtschaft/)

Die Gründungsmitglieder sind daher seit Monaten dabei, Farmen mit nachhaltigen und traditionellen Anbauformen aufzusuchen, um zu sehen, zu lernen und selbst auszuprobieren.

Als weitere Einnahmequelle für den Schulort „FamiliaMoja“ ist der Bau kleiner Natur-Gästehütten geplant, die vermietet werden können an Gäste und Reisende, die einen ursprünglichen, authentischen und doch innovativen Ort Zentralkenias kennenlernen möchten – mit biologischem Essen von der eigenen Farm.

So kann eine kostenfreie Schule für Waisen und Kinder entstehen, deren Eltern keine Schulgebühren aufbringen können. Die Mitarbeit auf der Farm wäre ein optionaler Gegenwert eines Elternteils für die Schulbildung des Kindes.

Ein Ort, der allen Beteiligten langfristige finanzielle Unabhängigkeit ermöglicht, kann nicht nur seinen SchülerInnen eine Zukunft schenken, sondern darüber hinaus deren Familien und dem Gemeindeleben einen großen Beitrag leisten. „FamiliaMoja“ möchte ein Ort sein, der beispielhaft das Potenzial lokaler Ressourcen nutzt und zugleich innovatives Wissen um umweltschonende Landwirtschaft und Lebensweise teilt – mit seinen SchülerInnen, genauso wie an alle Interessierten der Umgebung.

Zur Geschichte

Beide Familien haben das von „Njoki“ unterstützte „Schulprojekt Kandongu“, den Aufbau des Fr. Michael Witte Education Centers, lange Jahre begleitet. 8 Jahre lang war Ignatius Headteacher dieser Schule. Täglich arbeiteten wir auch auf Distanz Hand in Hand. Trotz eigener Mittellosigkeit und großer Herausforderungen bewiesen sie den Willen, anderen Kindern und Familien über den üblichen Bildungsauftrag hinaus zu helfen. Nach jahrelanger Erfahrung wissen wir alle: dies kann nur an einem Ort funktionieren, der die eigene Lebensexistenz sichert und seinen BewohnerInnen somit erlaubt, viel mehr zu geben, als einen Beitrag im Klassenzimmer.

Seit 8 Jahren betreut Jana Winterhalter gemeinsam mit Marie-Luise Lehmann das „Schulprojekt Kandongu“, beide kenianischen Familien kennt sie seit langer Zeit und ist überzeugt von den Potenzialen der Ansätze und Ziele von „FamiliaMoja.“ Zusammen mit Alexander Brungert, der 2018 zum ersten Mal nach Zentralkenia reiste, setzt sie sich für die Unterstützung dessen Aufbaus in Deutschland ein.

Seit ihrem ersten Besuch in Kenia (2012) ist Jana Winterhalter weitere fünfmal in die Region zurückgekehrt und kann auf viele Jahre Erfahrung und wichtige Lernprozesse in der Unterstützung bildungsorientierter Projekte dieser spezifischen Region zurückblicken. Als herausragend und besonders wertvoll schätzt sie das von kenianischer Seite initiierte Ziel der langfristigen Unabhängigkeit „FamiliaMojas“ ein – das keinesfalls selbstverständlich ist.

In den vergangenen Monaten haben die kenianischen Gründungsmitglieder sich in einem bürokratischen Marathon zur Zertifizierung ihrer Vision als gemeinnütziges Projekt (Community Based Organization) durchgesetzt. Die offizielle Eintragung gelang nach 8 Versuchen am 31.1.2020.

Ein Ort, der landwirtschaftliche Erträge erzielt, kann viel bewirken. Eine Familie, die selbst nicht hungert, hat die Möglichkeit großzügig da zu helfen, wo sie es schon immer möchte: bei denen, die weniger haben, als sie selbst. Ich habe wenige Menschen in Kenia getroffen, die diesem Ziel so aufopfernd nacheifern, wie Ignatius und seine Familie. Mit „FamiliaMoja“ kann seiner Bereitschaft Raum und eine Grundlage gegeben werden, die einen Ort des Austausches, der Begegnung und des Voneinander-Lernens kreiert.“

Jana Winterhalter

In den vergangenen Jahren habe ich viel gelernt. Doch das Wichtigste davon ist: kein Geld der Welt kann an einem Ort wie diesem etwas Sinnvolles bewirken, wenn man nicht die Potenziale, Visionen und Grundlagen derer ernst nimmt, die hier zu Hause sind. Das Wichtigste ist, jemanden zu finden, dem man vertraut und sich auf Augenhöhe begegnet. Dann ist alles möglich. Ich bin dankbar, dass „FamiliaMoja“ auf dieser Grundlage baut.“

Jana Winterhalter
Vater und Sohn experimentieren auf dem Feld. Ignatius ist klar: Feldarbeit ist nicht nur Frauensache, alle sollen gleichberechtigt zusammenarbeiten und ihr Wissen teilen.

Werden auch Sie Teil dieser Familie! So können Sie „FamiliaMoja“ unterstützen.